Der ganz normale Alltag macht es uns manchmal fast unmöglich zu spüren, dass wir lebendig sind. Mit Impulsen aus dem Buch von Heike Pourian, Jan Frerichs oder von Michael Ende mit Momo, tauchen wir in die Kraft unserer Herzen.

1. Wenn wir wieder wahrnehmen - eine erste Annäherung

Buchtitel; Autorin Heike Pourian

"Was ist das für ein seltsamer Buchtitel: "Wenn wir wieder wahrnehmen?" Ein halber Satz, das Ende - oder vielleicht auch der Anfang? - bleibt vorenthalten. Wenn ..., da müsste doch ein dann folgen: Was ist denn dann, was käme dann, was würde passieren, wenn ...? Das hiesse ja auch, dass wir im Moment nicht wahrnehmen. Und das Wörtchen wieder - deutet es darauf hin, dass es einmal anders war?" "Konnten wir mal besser wahrnehmen, aber jetzt haben wir es verlernt? Und geht das überhaupt - das Wahrnehmen verlernen? Ist es möglich, nicht wahrzunehmen?" 

Es gibt Menschen, die gehören einer Kultur an, die das Leben achtet und auf Wahrnehmung beruht. Heike Pourian richtet sich mit ihrem Buch nicht an diese Menschen, sondern primär an Menschen aus der mitteleuropäischen Kultur. Für uns ist es relevant, die wir tendenziell von nichtwahrnehmenden und lebensverachtenden Kulturen geprägt sind." Heike Pourian

Schreib's auf! Heike Pourian schlägt dir an dieser Stelle vor - ganz am Anfang ihres Buches - deinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Was fällt dir zu obigen Fragen und Aussagen ein? Ich hab's gemacht. Zuerst war es recht leer in mir. Nach den ersten, niedergeschriebenen Worten stiegen die Gedanken plötzlich leicht in mir auf. Ich staunte. Wir sind gespannt, was du dabei erlebst und was dir einfällt. Wer immer Lust hat, dies zu teilen: marianne.reiser@marialourdes.ch

So könnte sich ein Wahrnehmen auftun, das über mein ICH hinausreicht und zum WIR wird.

Eine Geschichte: Der Depp im Rücken

Das Buch 'Wenn wir wieder wahrnehmen', beginnt mit dieser kurzen Geschichte, die du dir im Videoclip (4') anhören kannst. Wahrnehmung kann sich innert Sekunden verändern. So die Erfahrung von Heike Pourian. Hör dir die kurze, spannende Geschichte an. Kennst du diese Erfahrung aus deinem eigenen Leben?

2. Wieder wahrnehmen - Schlüsselerlebnis

"Ist sie ein Junge oder ein Mädchen?", wollte Kim, unsere Enkelin wissen, als ich aus dem Buch Momo von Michael Ende vorlas. Und Ayleen, unsere 13jährige Enkeltochter meinte: "Für mich ist die Schulzeit wie die grauen Herren." Ja, die grauen Herren sind jene, die die Zeit der Menschen stehlen. Ihre Devise: Zeit sparen, damit du Zeit hast. Sie umgarnen die Menschen und arbeiten mit deren Schwächen. Das Ergebnis: die Menschen nehmen das Leben nicht mehr wahr vor lauter Zeit sparen. Oder noch schlimmer, die Menschen leben gar nicht mehr richtig, sie funktionieren nur noch. 

Auch Heike Pourian erzählt in ihrem Buch von einer Erfahrung, die sie als 11jähriges Mädchen immer wieder machte. Es geht um das Abgefragt werden in der Schule. Erinnerst du dich an diese Momente? Ich sehr gut. Bei uns mussten alle Schüler:innen aufstehen. Dann kamen Rechenaufgaben. Jene, die am schnellsten die korrekte Antwort riefen, durften sich setzen. Ich war keine der Schnellen und blieb deshalb oft lange stehen. Manchmal war ich Letzte und das war sehr peinlich, vorallem wenn ich die Rechenaufgabe nicht beantworten konnte. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie es kam, dass ich mich doch irgendwann setzen durfte. Für Pourian war diese Erinnerung ein Schlüsselerlebnis für ihre Wahrnehmung. 

Ob du deiner Wahrnehmung mit dem Kurzfilm von Momo oder/und der Geschichte von Pourian nachspürst, es könnte nachdenklich machen. 

3. Wahrnehmen

Auszüge aus dem Buch von Heike Pourian ‘wenn wir wieder wahrnehmen’/ S. 327
 
«Was ich der Welt so sehr wünsche: 
Die Fähigkeit, während des Handelns wahrzunehmen und während des Wahrnehmens zu handeln. Und die Bereitschaft, uns darauf zu verlassen, dass das trägt und nicht nur das: Es ist die würdigste Weise, unser Leben zu leben und uns aus der Erstarrung zu lösen. In so einen Zustand können wir gelangen, wenn wir die Entschlossenheit aufbringen, die Beschränkungen des geltenden Narrativs* weitgehend hinter uns zu lassen, wenn wir also in den Raum zwischen den Geschichten eintreten und uns der Leere, dem Nichtwissen und der Orientierungslosigkeit stellen, die uns dort erwarten. Dann eröffnet sich ein Erfahrungsfeld, das wir uns durch die künstlichen Beschränkungen unserer Zivilisation vorenthalten. Diese inneren und äußeren Verbote und Hemmnisse dürfen wir nun beherzt überwinden – was hindert uns daran?

Wir werden stolpern, in Sackgassen geraten, uns ab und zu verlieren.
Das sind hervorragende Anzeichen dafür, dass wir wirklich unsere Komfortzone verlassen und in unvertraute Gefilde eintreten. Wir pfeifen auf den Plan, den wir selbst oder andere gezeichnet haben und der uns gestern noch unverzichtbar erschien. Wir gehen der Nase nach, orientieren uns daran, wo wir uns am lebendigsten fühlen. Wir werden möglicherweise an unsere Grenzen gelangen und uns wundern: 

»Bin das wirklich ich, die das erlebt?
Darf ich so sein?»»
 
*Bedeutung von Narrativ
Narrative sind mehr als nur Geschichten: Sie sind sinn- und wertstiftende Erzählungen, die Fakten mit Bedeutungen und Emotionen verbinden. Narrative prägen, wie wir Ereignisse, Menschen oder gesellschaftliche Entwicklungen wahrnehmen und bewerten. Sie geben Orientierung, schaffen Identität und verbinden Gemeinschaften.

Mut braucht es: Dann, wenn wir Systeme hinterfragen, so wie Jan Frerichs. Dabei werden wir auch mal stolpern. Heike Pourian ermutigt uns dazu. 

"Die Fähigkeit, während des Handelns wahrzunehmen und während des Wahrnehmens zu handeln. Und die Bereitschaft, uns darauf zu verlassen, dass das trägt und nicht nur das: Es ist die würdigste Weise, unser Leben zu leben und uns aus der Erstarrung zu lösen."  Heike Pourian

Martin Piller: Mit diesem Video (30 Minuten) mache ich gerne einen Podcast bekannt, den ich mir seit einigen Jahren jeden Sonntag anhöre: Ein Augen- und Herzöffner für die göttliche Wirklichkeit. 

Mann blickt in die Weite und erblickt herrliche Naturlandschaft

4. Mich WAHRNEHMEN - Das Herz ist schon da

Impuls von Andreas Weber

Wir zweifeln hartnäckig daran, ob wir gut genug sind für das, was wir uns vornehmen. Gut genug, mit uns selbst im Frieden zu sein und den anderen Frieden zu lassen. Doch dieser Zweifel hemmt unsere Tatkraft: „Ich möchte ja, aber ich muss mich erst perfektionieren."

Nicht perfekt, aber wirklich
Dabei gibt es in uns einen Ort, der immer schon jenseits von gut und genug ist. Es gibt einen Ort, an dem wir nicht perfekt sind, aber wirklich. Einen Ort, aus dem uns das Leben geschenkt wird. Dieser Ort ist unser Herz - das physische Organ, das uns Dutzende Male in der Minute buchstäblich mit Leben flutet. Und das seelische Organ, mit dem wir erkennen, was Leben spendet und was nicht. Ein anderes Wort für Leben spendend ist Liebe. Das Herz ist der Ort, an dem wir die Liebe kennen. Und wo wir die Liebe kennen, sind wir wirklich - und können anderen erlauben, wirklich zu sein.

Das Herz führt direkt in den Frieden hinter dem "gut genug". Wir können lernen, es zu spüren. In der Tiefe jedes Einatmens fühlen wir die Süße, mit der es uns berührt. Wir können uns in sein Wissen fallen lassen und alles andere darin vergessen. Wir können uns erinnern, dass unser Zentrum ist, was die Liebe kennt. Wir wissen, dass das Herz weiß. 

Deinem Herz lauschen

  • Leg eine Hand auf dein Herz.
  • Atme ruhig ein und aus.
  • Stell dir vor, wie dein Herz dir mit jedem Schlag das Leben schenkt - ohne Leistung zu fordern, ohne Bedingungen zu stellen, ohne dass du gut sein musst.
  • Mit jedem Atemzug lass dich tiefer in dein inneres Zentrum sinken.
  • Spüre, wie auf der Höhe des Einatmens eine leise Süße deine Brust erfüllt.
  • Überlasse dich ihr.
  • Wisse: Dein Herz kennt die Liebe. Verbringe jeden Tag so viel Zeit wie möglich im Frieden deines Herzens.

Impuls aus dem Kalender pioneers of change, März 2026: Andreas Weber - Biologe, Autor und Pionier einer Philosophie der Gegenseitigkeit