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Sonntagsevangelium 22. Nov 2020 - eine Herzensangelegenheit

Gedanken von Martin Piller zum Sonntagsevangelium Christkönig vom 22. November 2020, Matthäus 25,31-46

Christkönig - ein Gegengewicht zu den „zerstörerischen Kräften unserer Zeit“
Am kommenden Sonntag feiern wir Christus als König. Einmal abgesehen vom Schwingerkönig oder vom Jasskönig kennen wir in der Schweiz schon seit Jahrhunderten keine Könige mehr. Wie können wir trotzdem einen Zugang zur Botschaft dieses Festes finden?

Es ist hilfreich, an die Umstände zu erinnern, unter denen dieses Fest entstanden ist. Es war am 11. Dezember 1925. Papst Pius XI schreibt, dass dieses Fest ein Gegengewicht zu den „zerstörerischen Kräften unserer Zeit“ sein solle. Wenn wir einen Blick in die Geschichte werfen, erkennen wir, was der Papst meinte:

In Russland sind es die Jahre der Revolution unter Lenin, die zum gewaltsamen Klassenkampf führen und zur Herrschaft der Mehrheit, Bolschewiki genannt. In Italien, also direkt vor der Haustüre des Papstes, sind es die Jahre, in denen Mussolini an die Macht kam und mit ihm die faschistische Diktatur. In Deutschland sind es die Jahre des Aufstiegs von Hitler. Seine Schrift "mein Kampf", in der er seine Nationalsozialistische Ideologie niederschrieb, erschien just in dem Jahr, als Papst Pius das Christkönigsfest ausrief.

Der Faszination für Führer und Institutionen wollte Papst Pius etwas entgegen setzen. Für einmal schrieb er nicht ein Dokument, das nur Intellektuelle lesen, sondern er führte das Christ-Königs-Fest ein. Dieses Fest stellt den Gläubigen jedes Jahr neu die Frage, an wem sie sich orientieren wollen: Wer König über ihre Herzen ist?

"Darauf wird der König ihnen antworten: ich sage euch:
Was ihr für einen meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan."
Vers 40 und 45

Die Grundhaltung jener Zeit ist auch heute noch weit verbreitet: die Tendenz, andere für unser Glück oder Unglück verantwortlich zu machen, Eigenverantwortung und damit Macht an Personen oder Regierungen zu delegieren und von ihnen Lösungen zu erwarten. Da führt uns das Evangelium vom Christkönigsfest (Mt 25,31-46) auf eine ganz andere Fährte. Der Menschensohn deckt auf, was wirklich zielführend ist für ein erfülltes Leben: die Empathie für den Nächsten. Die Probleme unserer Zeit lassen sich nicht durch Delegieren unserer Verantwortung an Personen oder Institutionen lösen, sondern einzig mit der Art des Menschensohnes: Mit Empathie für den Menschen neben mir. Jesus lädt ein, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln, wenn jemand Hunger oder Durst hat, wenn jemand obdachlos ist oder friert, wenn jemand krank ist oder im Gefängnis.

Es ist die gleiche Botschaft, mit der er sein Wirken begonnen hat: „Das Reich Gottes ist da“ – Jetzt! In Dir! – „Denk um und vertrau dem Evangelium.“ Umdenken. Lösungen nicht im Aussen – in den politischen und sozialen Umständen - suchen, sondern im Innen. In Dir, in deinem Herzen. Dort findest Du unbegrenzte Liebe und Empathie, die dir den Weg weisen und dein Tun prägen.  Möge auf diese Weise Christus unser Leben bestimmen – unser König sein.

Hier geht es zum Ausmalbild. Eigentlich ist alles ganz einfach ...